Mein Felsen

Ich schaue mir immer mal wieder Talentshows an. Und immer wieder staune ich über die Metamorphose, welche manche Kandidaten durchlaufen. Die treten auf eine Bühne vor grosses Publikum und sind dabei so nervös und unsicher, dass man sie behutsam wieder runter tragen möchte, bevor Schlimmeres passiert. Und dann? Dann beginnen sie zu singen, und in diesem Moment wandelt sich die ganze Person, kehrt sich etwas nach aussen, was ansonsten gefangen scheint in einem drangsalierten Körper und Geist.

Talent haben viele, und die Bühne ist wie die ganze Musikszene eine launische Göttin, die scheinbar zu würfeln scheint, wem sie Gehör verschafft und wem nicht. Viele, sehr viele Musiker-Karrieren gleichen sich dennoch in einem: Es hätte mehr als ausreichend Gründe gegeben, klein beizugeben und die Lächerlichkeit des eigenen Strebens einzusehen. Und es ist unfassbar, dass sie weitermachen, diese Seelchen, die scheinbar einfach nicht anders können, als eben doch nach diesem Ausdruck zu suchen, der für sie einnimmt und für das Gefühl, das sie vermitteln und für das sie geliebt werden möchten. Womit ich zum Anfang zurück kehren möchte:

Wenn diese schüchternen Kandidaten auf eben dieser Bühne stehen, und sie nach ihrem Support gefragt werden, dann ist sehr oft das Gleiche zu hören:

My Mom. She’s my Rock.

Ihr Mütter, ihr ganz besonderen Wesen, auf die so viel einprasselt auf dem Weg zum Ziel, die eigene Brut flügge zu bekommen, Ihr, die Ihr niemals klein beigeben würdet, wenn es um Eure Töchter und Söhne geht, Ihr, die Ihr Euer Leben für sie geben wolltet, um sie zu beschützen und voran zu bringen – Ihr seid das Salz der Erde, die Wohnstatt der Liebe, das Wasser der Gärten, das Licht am Anfang des Tages.

Meine Eltern sind lange tot und ihnen wie mir waren solche Empfindungen nicht zuvorderst. Aber ich bin sicher, dass ich in der daraus folgenden Wehmut meiner Mutter unrecht tue. Ihr Mütter aber, die Ihr gewertschätzt werdet, und die Ihr bedingungslos zu Euren Kindern steht – Ihr macht die Liebe immer wieder zur Siegerin.

Und dann denke ich an meine Herrin, die selber so eine Mutter ist. Und mir als Botin meines Schöpfers erscheint, bereit, mir eine ähnliche Verlässlichkeit anzubieten, wenn es darum geht, mich selbst zuzulassen und meinen eigenen Ausdruck zu suchen.

Meine Herrin ist der Felsen, in dessen Schatten ich Ruhe und Sicherheit suche und finde.

credit: Zeichnung von Sardax – courtesy of sardaxart.wordpress.com

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