Der Wasserlauf

Ich werde das Rätsel nie lösen! Warum ist die Liebe kein leise fliessender Fluss? Warum folgt das Wasser dem Sog, stürzt tosend in die Tiefe, gurgelt im Becken am Fusse des Wasserfalls, rinnt dann weiter und stürzt sich erneut über Steine… Warum ist auch meine Liebe so oft unstet in ihrem Ausdruck, statt mit ständigem Rauschen zu bezeugen, dass sie platzt vor Fülle? Warum gibt es Winter und Frühling und Herbst und Sommer, brennende Tage mit Verdunstung, kalte mit Gefrieren…? Denn sie ist immer da, Deine Kraft, wie Sonne und Mond, welche den Gang des Wassers begleiten und entsprechend gleichmässig müsste der Fluss meiner Bezeugungen und Handlungen sein! Das immerhin lässt sich sagen:

Genau so, wie die Sonne jeden Tag aufgeht, so folgt das Wasser seinem Weg, schiesst ständig neues nach – und würde es versiegen, so wäre auch ich tot. Und so, wie das Wasser des Flusses sein Ziel kennt, so kenne ich die Herrin meiner sklavischen Liebe, und alles in meinem inneren Fluss ist Anziehung, ist das Meer, in das sich mein Wasser ergiesst, angekommen im Kreislauf, dem ich keinerlei Widerstand entgegen setze, sondern den Willen, mit zu gehen, mit Deiner Lust, Deinem Leben, Deinem Denken und Fühlen. Von Dir gewärmt werden, beschienen, so dass meine Wassertropfen in Deinem Licht blitzen und blinken und glitzern und springen, weil alles sich immer im Jetzt erfüllt.

Und dann meine ich Kinder an meinem Ufer spielen zu hören, und dann wird mir klar, dass ich meine Seele höre, die lacht.

 

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