Bettelsegen

Die grundsätzlichen Gedanken meiner strahlenden Herrin Isis zum Wesen des Bettelns haben mich dazu veranlasst, mir erneut eigene Gedanken dazu zu machen, bzw. mich zu besinnen, was ich vom Wesen des Bettelns bereits verstanden habe.

Wenn ich bettle, versetze ich mich zurück in Kindeszeiten. Es ist nicht selbstverständlich, dass ich etwas darf. Ich habe zuvor Verfügungsmacht über meinen Alltag, über mein Handeln und Lassen abgegeben. Wenn ich nun etwas möchte, muss ich darum bitten. Oft erscheint mir das unbequem, umständlich, oft erwische ich mich dabei, dass ich schlicht nicht vorausgedacht habe und darum nicht rechtzeitig erkannte, was auf mich zukommt. Ums wichsen Dürfen zu betteln, ist mir dann ein Leichtes, wenn wir eh im Gespräch sind und im Flow eines gelebten gemeinsamen Alltags, in dem virtuelle Teilhabe mit dem Empfinden der Realität verschmilzt. Aber wenn das nicht der Fall ist? Wenn ich meine Herrin anstupsen „muss“, sie auf ein Thema ansprechen „muss“, ich angewiesen bin auf ihr Verstehen, Zuhören, Zeit haben? Ich bettle viel zu wenig – und vermisse es noch viel zu selten, weil mir der Wert des Bettelns noch immer selber nicht genügend bewusst ist. Dabei erlebe ich seinen Segen regelmässig: Meine Herrin unterbricht ihre Arbeit, ihre Gedanken, ihr Tun, und liest hin, hört hin, was ihr sklave will. Sie erfährt dadurch, was mich umtreibt, kann fühlen, wie viel Demut ich gerade ehrlich empfinde – und kann mit ihrer Antwort erziehen, formen, Botschaft vermitteln, steuern.

credit: illustration vom diener der shi – printscreen meninpain.com – courtesy of kink.com

Es ist Dir eine Freude, einer Bitte statt zu geben. Du gönnst mir sehr viel. Aber es gibt nicht einfach ein Wunschkonzert. Es gibt auch Neins als Konsequenz meines Verhaltens – und in dem Allem liegt keine Erniedrigung meines Persönchens, sondern die Chance des sklaven, Führung zu erfahren und Herrschaft zu fühlen – auch über hunderte Kilometer. Viele dieser Neins sind für meine Herrin nur schwer zu kontrollieren – aber darin bin ich aus eigener Intelligenz heraus konsequent: Würde ich diese Neins ignorieren, entwertete ich jede Möglichkeit zur Autorität – ich würde mir selber jede Möglichkeit nehmen, durch die Abgabe meiner Eigenmacht für meine Herrin wirklich verfügbar zu werden.

Und:

Nur wenn ich bettle, und Du auf ein solches Ansinnen reagierst, brauchst Du keine Fragen betreffend meiner Umstände zu stellen, musst Du nicht erfassen, wie meine Möglichkeiten gerade sind. Du kannst ganz praktisch sehen, was ich gerade denke, was mir Bedürfnis ist und was nicht, und kannst dadurch in meinem Hirn lesen – und in meiner Seele.

Wann immer ich das Betteln praktiziere, ernte ich eine wunderbare Erfahrung: Du bist wie eine Mutter zu ihrem Kind enorm geduldig darin, Dir anzuhören, was ich wünsche, und Du gibst mit allergrösster Verlässlichkeit Antwort darauf. Es kommt nie vor, dass du eine Bitte nicht innert „nützlicher“ Frist beantwortest – und ich habe keine Ahnung, wie Du das machst. Wenn ich also lerne, Betteln mehr anzuwenden, Dir mehr Einfluss auf mein Leben zu schenken, so kann ich laufend neu erfahren, dass diese wunderbare Frau, die Du bist, sich tatsächlich für mich, meine Gefühle, Bedürfnisse, für mein Leben interessiert. Und mir dabei für mein Glück Erzieherin ist, wie es keine Mutter besser schenken kann.

Mein Glück ist also bei dem Vorgang, in der Haltung bei Weitem nicht nur, dass ich weiss, dass Dir meine bettelnde Demut Freude ist, sondern ich profitiere ganz direkt von der immer neuen Erfahrung Deiner Umsicht, Energie, Nähe, Einfühlung – schlicht der Ausübung Deines Versprechens, für mich zu sorgen.

Beschämt gebe ich zu, dass meine Bettelinhalte sehr oft selbstsüchtiger Natur sind – gerade so, wie das Kind, das einfach um Schokolade bettelt. Das mag zwar ein Stück weit ganz normal sein, gerade, wenn wir beim Bild des Kindes bleiben – aber natürlich sollte mein eigenes Einfühlen viel weiter gehen und ich beständig präsent haben, dass regelmässiges Betteln Dir an sich schon reine Freude ist – oder wäre. Denn tatsächlich bin dich darin noch viel zu wenig eifrig.

Doch mein Weg des Lernens ist laufend von neuen positiven Botschaften besetzt, und immer wieder darf ich erfahren, wie gut Du mich verstehst, und wie wenig Dir ein Nein um des Verweigerns willen bedeutet: Du willst gewähren können, weil Du auch weisst, dass ich es verdiene. Oder dass die Erlaubnis Dir Lust bringen wird, weil ich um etwas bettle, das mich im Lustdienst für Dich unterstützen wird. Die Selbstsucht der Lust wird auch durch das Betteln in die Hingabe für die Herrin verwandelt.

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