Von der Sehnsucht zur Konditionierung

credit: Illustration vom diener der SHI – courtesy of The English Mansion

Die Unterwerfung hat verschiedene Phasen – oder Phänomene, in denen sie unterschiedlich zum Tragen kommt. Am Anfang steht die Sehnsucht, die den skalven den Wunsch empfinden lässt, unterworfen zu werden. Damit kann gespielt werden. Ganze Welten können dafür aufgebaut werden, in denen das Ambiente aus Einrichtung und Licht seine vorbereitende Wirkung entfaltet, und die Spielpartnerin wird zur temporären Herrscherin, der es vielleicht gelingt, so viele Merker in der Empfindungswelt der submissiven Kreatur festzusetzen, dass diese wünscht, das wieder und wieder erleben zu können. So kann eine Relation entstehen, in welcher immer wieder in das befreiende Konstrukt zwischen Herrin und sklave eingetaucht werden kann. Beide nehmen das Spiel ernst, geben ihm Bedeutung und dem temporären, sehnenden sklaven wird Entlastung und Entspannung möglich. Eine Domina ist einer Therapeutin nicht ganz unähnlich, und auch wenn sie Geld damit verdient, kann sie durchaus Gelegenheiten schaffen, die es dem Gast erlauben, sich näher zu kommen und zu erkennen, was er wirklich braucht.

Trifft der Mensch mit Unterwerfungssehnsucht auf ein Kontra, das Macht erlangen, ausleben, festigen möchte, weil dieses Bedürfnis ähnlich drängend gespürt wird wie umgekehrt die devoten Gefühle, dann wird das Angebot des sklaven beim Wort genommen, und er wird bemerken, dass es hier ernst gilt und ist. Die Herrin ist nicht einfach Konsumentin eines gewissen Ausmasses an Hingabe und Anbetung, sondern will zur formenden Herrscherin werden, mit der Kompetenz und der Durchsetzungsmacht einer wahrhaftig gebietenden Königin.

In der Folge liegt der sklave nicht in Ketten auf der Matte, weil er sich für eine Weile gerne da hinein begeben hat, sondern weil er dazu gebracht wird. Er kriegt zwar seinen Wunsch erfüllt, doch die Herrin denkt für ihn die Botschaft zu Ende und der sklave lernt, dem Wunsch die Überwindung eigener Widerstände folgen zu lassen. Er liegt schliesslich in Ketten genau so und so lange da, wie seine Herrin das will. Und sie verfügt über ihn nicht für eine Session, sondern als Lebenskonzept. Die Unterwerfung strahlt aus dem Spielzimmer heraus in den Alltag, und Unterwerfungsgesten und -Haltungen beginnen das Leben zu prägen. Die sexuelle Triebkraft ist ungebrochen, aber sie liefert auch Energie für Transformationen im Alltag. Die Kette hat den Körper gebunden, aber sie führt auch den Geist in entsprechendes Bewusstsein. Die Herrin ist es, die das alles verfügt und bewirkt, indem sie mit Nachdruck und Empathie und dem Wissen um den Wert ihres sklaven ihn konditioniert und in seiner Unterwerfungssehnsucht Erdung finden lässt im täglichen vielfältigen Dienst für seine Gebieterin.

Wenn er dann wieder in den Kerker eintritt, hat jede Handlung die Bedeutung einer ständig sich vertiefenden Ganzheitlichkeit. Die Konditionierung schreitet voran.

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