Schwere und leichte Ketten und Kerkergänge

credit: Divine Bitches – Illustration vom diener der SHI – courtesy of kink.com

Mir waren in meinem Leben depressive Stimmungen nicht fremd – und ich habe sicher auch eine gewisse Veranlagung dafür mitbekommen. Meine Umstände haben mich oft verführt, mich dem auch hinzugeben, denn frühzeitig schien es mir für mich bestimmt zu sein, dass ich mir echte tiefe Freuden würde versagen müssen. In meiner Sexualität, dem Urtrieb jeder erwachsenen menschlichen Spiellust, schien es für mich keine Erfüllung zu geben. Niemals. Ich hatte also genug Grund, mir leid zu tun, wobei es uns allen ja nicht wirklich schwer fällt, Begründungen dafür zu finden, wenn wir es wollen…

Also gesellte sich zur Heimlichkeit die vermeintliche Gewissheit, dass die kühle feuchte Dunkelheit eines Verlieses nur das Abbild einer Verkümmerung sein konnte – und „die Gesellschaft“ besorgte dann noch den moralischen Türschluss hinter mir oder vor mir…

Wie anders ist alles heute! Ich trage die Ketten noch immer, ich phantasiere von Kriechgängen in den Kerker, aber in der geteilten Phantasie mit einem anderen Menschen wird sie Realität – und angenommene Regung, die zur Anregung wird… und gemeinsam wissen wir, wie viel davon möglich ist, wie sehr wir mit Körper und Seele spüren können, was unsere Neigung ausmacht, was sie bewirkt und wie lustvoll die Dunkelheit sein kann, in der wir uns nicht verlieren, weil sie nun ein Raum wird, indem ich auf Dich und damit auf das Licht warte, das mir so gewiss ist wie es eine Liebe nur sein kann.

Was mir aber wohl immer bleibt, ist die Umkehrseite einer gestillten Sehnsucht. Es ist das Wissen, was mir wohl immer droht, würde mir unsere Verbindung genommen. Ich fürchte, ich würde die gleichen Ketten wieder fühlen, die wirklich kalten, und die Ecken um mich herum wären wirklich dunkel und könnten mit dem Licht auch mich verschlucken. Denn zweimal solch Glück kann Mann im Leben nicht haben. Also will ich alles dafür tun, die erhaltene Gabe mit Dankbarkeit zu ehren – und weiss doch gleichzeitig, dass das Leben keine Garantien schenkt – wohl aber Werterfahrungen, die ewig bleiben können. Für sie lohnt es sich zu leben, zu reflektieren, ja, auch zu ersehnen und sich einfach immer wieder zu verbünden mit Menschen, mit dem Menschen, der sie teilt – und der vor den gleichen Herausforderungen und Chancen steht, solange Atem im Körper ist.

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