Kerkerzeit ist Einkehrzeit

credit: Illustration vom diener der SHI – courtesy of The English Mansion

Wir philosophieren immer mal wieder über die Macht. Ein sehr naheliegendes Thema in einer Femdom-Beziehung… Es mag auf den ersten Blick erstaunen, wenn wir sagen: Wir Beide müssen verantwortungsvoll mit unserer Macht umgehen. Ja, auch ich habe Macht. Du kannst nur führen, leiten, herrschen in dem Rahmen, den ich selber im Innersten frei gebe – oder dem mich zu öffnen ich bereit bin. Das Austarieren und Erweitern von Grenzen ist sicher reizvoll und ein Element der Entwicklung, für das Zusammenleben aber ist das entscheidend, was ich natürlich leben kann. Verweigere ich mich, hat jede Macht über mich genau jenen Spielraum nicht mehr, der es reizvoll macht, weil das Einvernehmliche und das Aufgezwungene im Gleichgewicht schwingen und jede Ansprache angenommen, verstanden und umgesetzt wird.

Wenn ich also in Kerkertage befohlen werde, so geht es nicht wirklich um Beugung, sondern um Besinnung. Wer bin ich, was will ich, wozu bin ich da, zu was habe ich mich verpflichtet, steht mein Inneres zu meinem Wort? Bin ich bei mir, lasse ich mich wirklich führen?

Der geschlossene Raum, die Ketten, die fehlende Ablenkung – es mögen andere Gegenstände, Elemente und ein anderer Ort sein, aber Kerkerzeit ist Einkehrzeit, wie sie ein Mönch genau so begeht, wenn er sich in seine Zelle zurück zieht. Meditation ist nichts, was einem nach dem tieferen Bewusstsein strebenden sklaven fremd bleiben kann. Die äussere Kargheit hilft dem inneren Reichtum, sich ausbreiten zu können. Und wenn Du, meine Herrin, mich in diesen Phasen anleitest, aufsuchst, meine Meditation bestimmst, meine Ketten prüfst, und enger oder weiter fasst, dann bist Du mir Lehrerin, und es liegt sehr wohl eine Spiritualität darin, für uns Beide, weil wir auf stille, ganz private Weise festigen, was wir einander sind. BEIDE. Ich als sklave mache mit, habe die Macht, Deine Macht zuzulassen oder sie zu beschneiden. Und die Macht, meine Befreiung zu wagen und Dich tun zu lassen, was Du an mir und in mir und vor uns siehst.

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