In solchen Stunden…

… habe ich mich kennengelernt. Ich habe in den inneren Spiegel gesehen, geborgen in meinen Fesseln, mich angesprochen gefühlt und erkannt, und angenommen, was ich sah. Unterstützt von Frauen, die sehr gut in mir lesen konnten, weil ich mein Buch selber sehr bald sehr bereitwillig geöffnet habe.

credit: Illustration vom diener der SHI – courtesy of The English Mansion

Ich war ein angenehmer Gast in Studios, weil ich so wenig „Aufmerksamkeit“ brauchte, um in meine Prozesse tauchen zu können. Stundenlang zwar in kompromittierender aber stiller Lage zu liegen, war eine Freude für mich, und eine Chance. Ich musste sie gar nicht nutzen, ich ergriff sie von selbst, oder besser: Mein Wesen liess sich nicht zweimal bitten, sondern begann zu atmen, sobald ihm Sauerstoff zugeführt wurde. Ich wurde wieder zum Kind, das sich nach Berührung sehnte, und in der Fesselung allein diese Berührung schon fand. Erstaunlich für mich ist bis heute, dass ich von Anfang an darauf vertraute, dass jemand da sein würde, wenn ich es brauchte. Auch und gerade in diesen Situationen. Und so war sie da, spürbar, immer wieder zwischendurch, die geradezu mütterliche Wärme einer Frau aus Fleisch und Blut, die zwar meine Knöpfe frei legte und sie drückte, doch diese gewisse Zeit, immer begrenzt und in sich mit dem Potenzial, auch grossen Schmerz zu verursachen, war rückblickend wie Therapie für mich. Sie verhinderte, dass mein Wesen verstockte oder meine Lebensfähigkeit so verrückte, dass ich tatsächlich irre wurde.

Aus den Therapiestunden ist ein Leben in einer Beziehung geworden. Dieses Leben behält seine Herausforderungen, doch nun werden sie geteilt. Da ist keine Frau mehr, die mit ihrer professionellen, durchaus mit Sympathie agierenden Professionalität Ersatzhalterin für Entbehrtes ist. Da ist nun ein Mensch, eine Partnerin, die auch zwischen meinen Zeilen liest, ein eigenes Buch öffnet, Erfahrungen mit mir teilt und persönlich und direkt und verbindlich aus ihrem Wirken in mir schöpft und selbst sich berühren lässt, ja, diese Berührung vor alles andere stellt. Nähe muss ich nicht mehr ersehnen, nun darf ich sie lernen, über alle Grenzen hinweg und in allen Lebensbereichen. Ich darf nicht mehr nur in der stillen inneren Kammer fühlen, sondern offen und frei im direkten Austausch mit Dir jedes Gefühl zulassen und ihm nachspüren, und ich habe auch Verantwortung für Dich, meine Herrin, das, was ich in Dir wecke und meinerseits fördere, aufzufangen und ihm Gehalt zu geben, indem ich Dir Antwort gebe und Dir wahrhaftiger Diener in Deinem Leben bin.

Ich danke Dir, dass Du mir vertraust. Das sage ich zu Dir, während ich gefesselt vor Dir liege. Und das sagt so Vieles über den Wert unserer Bindung aus.

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