Zur Zeit ist da das Wort

Photo by Pixabay on Pexels.com – Illustration vom diener der SHI

Wir wünschen Euch Allen, dass Ihr Eure Beziehungen im direkten Austausch und in der realen Begegnung pflegen könnt. Aber gerade jetzt müssen sehr viele von Euch auf Berührung und unmittelbares physisches Erleben verzichten. Zusammensein ist oft nicht möglich. Warum also nicht einmal ein paar Gedanken vor Euch ausbreiten, die Euch vielleicht lesenswert erscheinen, weil wir unsere Beziehung oft über lange Zeiträume genau so leben „müssen“ – und eben zeigen, dass wir auch ein Dürfen erkennen, einen Segen. Wir haben es angenommen und sind dankbar für alles, was möglich ist.

Jeder tiefer gehende Kontakt, den wir unter-halten, pflegen, lebt von einer gewissen Ernsthaftigkeit. Wir teilen etwas, geben etwas von uns preis, legen es offen, zeigen uns. Das ist virtuell noch mehr als in der realen Begegnung ein Akt des Vertrauens, denn wir können nicht unmittelbar in den Reaktionen des Gegenübers erkennen, wie unsere Worte ankommen. Wir müssen vertrauen, dass wir gehört und gesehen und verstanden werden. Wenn wir das nicht müssen, sondern dürfen, wenn wir also in diesem Vertrauen ruhen können, dann ist die Verbindung zu diesem Menschen auch eine Einladung zu einer Reise zu mir selbst. Je persönlicher mein Kontakt zu meiner Herrin ist, um so mehr wird mir auch schlicht für mich selber wichtig, dass meine Worte mit meinen Taten im Einklang sind. Für alle unsere Beziehungen gilt, dass uns die freundschaftlich verbundene Seele schlicht Helferin dabei ist, in der Betrachtung unseres Selbst liebevoll ehrlich zu werden: Ich darf mich sehen, wie ich bin – und ich darf wagen, was ich möchte. Der Austausch im geschriebenen Wort ist eine Art der Kommunikation, in welcher Pausen fürs Denken bleiben, ganz natürlich, und Wert hat am Ende vor allem das, was ich geben kann, weil ich es selber auch für mich als wahr erkennen darf.

Was ich also meinem Partner in der Ferne versichere, wird er mir glauben, weil er mir vertraut, mich liebt, an mich denkt, sich nach mir sehnt. Mir wird Glauben geschenkt und mir winkt eine Stimmigkeit in einer Harmonie, welche jede Distanz überwindet. Und Beide wissen, dass das Gegenüber das Miteinander sucht, weil darin die Chance liegt, selber auch bei sich und mit sich weiter zu kommen.

Räumliche Distanz kann auch dazu verleiten, hinter einem bequemen Schleier zu leben. Das kann auch schleichend geschehen, doch wenn ich für jemanden etwas darstellen will, was ich selber nicht bin, so ist die Freude über falsche Bilder kurz. Es ist einfach zu mühsam und hindert mich, das Schönste überhaupt zu erleben: Nackt sein zu können, und getragen zu werden. So, wie ich bin und wie der Spiegel, der nicht lügt. Nicht lügen muss. Weil da jemand ist, der mich auch zwischen den Zeilen liest, mich kennt, und ehrt, was er auch an Verletzlichkeit sieht. Bis ich lieben kann, weil ich glaube, was mir Schönes gesagt wird und also Selbstliebe lerne – und ich umgekehrt erkenne, wie ich mich selber daran hindere, noch freier zu werden. Muss man Nähe oft entbehren, kann das auch dazu führen, dass der Wille grösser wird, mit sich selber auszukommen. Denn ich bin immer da. Auch im Homeoffice, vor drei Wochen, in einem Jahr, am Ende meines Lebens. Schön, wenn es eine Seele gibt da draussen, der keine Distanz zu gross ist, immer genau nach diesem Menschen zu fragen, der bei mir ist. Nach mir.

Kann man dies zusammen entwickeln, in diesem Bestreben jeden Tag bestreiten, das zum Untergrund und Fundament machen, so wird nichts anstrengend. Auch der banale Austausch, Flachserei, jedes Wort ist Botschaft, Baustein. Weil es von Dir kommt. Von der Frau, die mich erkannt hat. Und genau das, was sie sieht, liebt.

Was soll und kann das Euch nun sagen, für den WhatsApp-Kontakt mit einer Studienfreundin, den Chat mit einem Sportkollegen? Das beantwortet Ihr selber. Nicht uns. Euch. Auf allen Ebenen unserer Kommunikation gibt es Zwischentöne, Räume zwischen Zeilen, und bewusste oder weniger bewusste Impulse, die zu einem Kontakt führen. Aber jedes Wort, das Ihr vielleicht gleich jetzt tippen werdet, oder morgen oder in einem Jahr, jedes Wort hat eine Temperatur, eine Wirkung, eine Aufrichtigkeit, und zwar genau so, wie sie euch entspricht, und wie ihr sie als wahr empfindet.

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